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CRPS
Complex
regional pain syndrome,Sympathetically independent pain
Das Thema CRPS Ty p I auf englisch (in english): www.crps-type.com
Nach der (relativ) neuen Taxonomie (= Einteilung) der International Association for the Study of Pain werden posttraumatisch (= nach einer Verle tzung) aufgetretene, reg ionale Schmerzen als „Komp lexes regiona les Schmerzsyndrom“ bzw. kurz „CRPS“ (Complex regional pain Syndrome) bezeichnet. Es wird unterschieden zwischen
1) CRPS Ty p I:
Zwischenzeitlich ist aber bekannt, daß einem C RPS Ty p I nicht unbedingt eine Verletzung vorausgehen muß, diese Schmerzerkrankung kann auch ohne erkennbare Ursache auftreten. Der Begriff "Verletzung" schließt übrigens auch iatrogene (= durch ärztliche Handlungen im Rahmen einer Diagnostik oder Therapie entstandene) Schädigungen ein.
Die Symptome (= Krankheitszeichen):
Beim
CRPS Ty
p I (komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ I) führt die ursächliche
Verletzung in erster Linie zu einer Gewebeschädigung, während beim
CRPS Ty p II (Kausalg
ie) die
Nervenschädigung im
Vordergrund steht.
Diese Tatsache erklärt hinreichend die klinische Erfahrung, daß bei einer
Kausa lgie
häufig die trophischen
(= den Ernährungszustand
betreffenden) Störungen nicht so
ausgeprägt sind wie bei der Ref
lexdystrophie.
Vor Einführung der neuen Taxonomie wurden sowohl die
sympathische Reflexdystrophie
als auch die Kausalg
ie unter dem Oberbegriff SMP (sy
mpathetically main
tained pain)
(= vom Sympathikus
aufrechterhaltener
Schmerz),
auch als
Sympathalgie
bezeichnet, subsumiert (William J. Roberts).
Dies gilt heute nicht mehr uneingeschränkt, da nach Stanton-Hicks et al.
neben der SMP-Form (sy
mpathetically main
tained pain) auch eine SIP-Form (sympathetically
independent pain)
(= vom Sympathikus unabhängiger
Schmerz) existieren soll. Demnach wären therapeutisch
Sympathikusblockade
n nur bei SMP hilfreich und sinnvoll, nicht aber bei SIP. Andererseits
könnte daraus ein diagnostisches Kriterium abgeleitet werden: Wenn
Sympathikusblockaden
nicht helfen, muß die SIP-Form vorliegen.
Beim Morbus Sudeck bzw. bei der Sudeck Dystrophie (CRPS Ty p I), auch als Sudecksche Krankheit bezeichnet, liegt eine Algodystrophie (= schmerzhafte Organstörung) in ausgeprägter Form vor.
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Zu einem C RPS Ty p I bzw. M. Sudeck kann es nach jeder Arm - oder Bein verletzung kommen, selten aber auch spontan (= von selbst, ohne äußere Einwirkung). Die Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) ist unbekannt. Die Patienten klagen über einen diffusen und heftigen Brennschmerz, ähnlich wie bei einer Kausalg ie (= Schmerzen nach Nervenverletzung). Aufgrund der Zirkulationsstörung sind die betroffenen Partien meist bläulich livide verfärbt und ödematös (= aufgequollen) verändert. Beteiligte Gelenke versteifen. Die Art der Gewebsveränderung läßt an eine lokal begrenzte vegetative Entgleisung denken (Debrunner 1988). |
Mo rbus Su
deck (Quelle: eigene Bilder, aus der Klinik) |
Besonders gravierend ist diese Krankheit im Bereich der Hand, weil sie dort häufig zu einer Behinderung und damit zur Invalidität führt.
Auf dem Röntgenbild sieht man eine typische, fleckige, diffuse Knochenentkalkung ähnlich wie bei der Osteoporose (= Systemerk rankung des Skeletts mit Verminderung der Knochen masse).
Im Bereich der unteren Extremität (= Beine) tritt ein komp lexes regiona les Schmerzsynd rom (C RPS) Ty p I bevorzugt am Fuß und im Bereich der oberen Extremität an der Hand auf.
Als Schmerzmittel der ersten Wahl ist bei CRPS Gabapentin oder Pregabalin zu empfehlen.
Die konsequente Anwendung
der
therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
führt beim C
RPS
Ty
p I zu beachtlichen Erfolgen.
Für den Bereich der
Arme hat sich die
Blockade (= Betäubung)
des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)h)
bewährt, optimal in kontinuierlicher Form mit Katheter*. Die
Stellatumblockade
kann auch als
GLOA
(=
ganglionäre Opioidanalgesie) durchgeführt werden, Nachteil dieser Methode ist aber, daß kaum ein
durchblutungsfördernder Effekt eintritt.
Auch die
kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter**
ist sehr hilfreich (und auch risikoärmer als Stellatumblockaden),
zumal das Nervengeflecht des Armes reich an vegetativen
Fasern ist, so daß es neben der erwünschten Hemmung der Nozizeption
(= Schmerzreizleitung)
auch zu einer Steigerung der Durchblu
tung kommt und somit die gestörte
Mikrozirkulation im Schmerzbereich optimiert wird, beim
C
RPS
eine wichtige Voraussetzung dafür, daß die Schmerzlinderung auch über den
Behandlungszeitraum hinaus anhält.
Im Bereich der Beine (einschließlich Hüften) kommen beim CRPS ebenso kontinuierliche Blockadetechniken* zur Anwendung:
Auch die Ner ven femoral is und ischias bzw. ischiad icus führen vegetative Fasern, so daß die erwünschte, sympathikolytische (= gefäßerweiternde und damit durchblutungssteigernde) (Sympathikolyse) Wirkung ebenfalls eintritt.
Ein kom plexes regiona les Schmerzsyn drom (C RPS Ty p I) erfordert eine längerfristige Blockadebehandlung (mindestens 2 bis 3 Wochen).
Daß serielle bzw. kontinuierliche Nervenblockaden bei CRPS sehr hilfreich sind, ist auch schon seit längerem in der Fachliteratur gut dokumentiert. Z.B. Lehmann, K.A.: postoperative Schmerztherapie, WVGmbH Stuttgart, 485-93 (1993). - Murray, P., Floor, K., Atkinson, R. E.: Continuous axillary brachial plexus blockade for reflex sympathetic dystrophy - Anaesthesia 50 (7), 633-5 (1955). - Ribbers, G.M., Geurts, A. C., Rijken, R. A., Kerkkamp, H. E.: Axillary brachial plexus blockade for the reflex sympathetic dystrophy syn drom, Int. J. Rehabil. Res 20 (4), 371-80 (1977). Auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation sind zur Behandlung beim Komplexen Regionalen Schmerzsyndrom (Sympathische Reflexdystropie) Nervenblockaden aufgeführt - http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll-na/036-006.htm
Begleitend hat sich auch eine Infusionsserie mit Lidocain 2% (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) als hilfreich erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.
Man kann Lidocain auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen (= Spritzen in eine Schlagader) in die A. femoralis (= Beinschlagader) oder A. brachialis (= Schlagader des Armes) verabreichen, so z.B. 2-3 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn und führt dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung (Sympathi kolyse) bei gleichzeitiger Schmerzlinderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde bewußt um das Gefäß herum infiltriert.
Manche Autoren empfehlen sog.
Sympathikus-Blockaden mit Guanethidin. Der Wirkstoff findet
auch zur Behandlung eines Bluthochdrucks Verwendung. Der Wirkmechanismus beruht
auf der Verminderung der Freisetzung des Botenstoffs Noradrenalin aus den
Endigungen der Nervenzellen. Vorteil dieser intravenösen Blockademethode
(= das Medikament wird in
ein zum Herzen zurückführendes Gefäß eingespritzt, wobei aber z.B. der Arm
vorübergehend abgestaut wird) ist,
daß die Wirkung bis zu 72 Stunden anhalten kann. Nachteil ist das gegenüber den
Nervenblockaden deutlich erhöhte Behandlungsrisiko.
Eine Wirksamkeit von peripheren intravenösen Guanethidinblockaden ist in
einer Metaanalayse (=
Zusammenfassung von
Primär-Untersuchungen)
allerdings nicht nachgewiesen.
Auch die deutsche Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation
führt zur Behandlung
Nervenblockaden
mit
Betäubungsmittel
auf (http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll-na/036-006.htm).
Teilweise wird auch die Gabe von Bisphosphonaten empfohlen (Varenna M, et al
2000). Medikamente aus dieser Gruppe werden u.a. auch zur Behandlung der
Osteoporose
verwendet. Aber: Die amerikanische
Arzneimittelagentur FDA erinnert in einem Warnhinweis Ärzte daran, dass es unter
der Therapie mit Bisphosphonaten zu schweren Schmerzen im Bewegungsapparat
kommen kann. Die europäische Arzneimittelagentur EMEA überarbeitet derzeit die
Sicherheitshinweise einmal zu den kardiovaskulären Risiken von Bisphosphonaten
und dann zur Gefahr von Kiefernekrosen.
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/newsdruck.asp?id=30986(Jan.
2008)
Bereits 2004 wurde die Wirkung von
Bisphosphonate bei C
RPS I untersucht (Ruhr-Universität Bochum): Es zeigte sich
weder eine Reduktion des Dauerschmerzes noch eine Verminderung der
Schmerzattacken hinsichtlich Anzahl, Dauer und Intensität...... Die
Schmerzreduktionen durch Bisphosphonate bei C RPS I-Patienten in anderen Studien
könnten durch die im Frühstadium der Erkran
kung wahrscheinlich häufig
auftretenden Spontanremissionen zurückzuführen sein.
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=974924059&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=974924059.pdf
Hier (einfach anklicken) gelangen Sie zur E-Mail einer Patientin, die mit den beschriebenen Methoden behandelt wurde und lesen Sie diesen Brief eines Tennisspielers, dessen CRPS (I) ebenfalls erfolgreich behandelt werden konnte.
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2) CRPS Ty p II:
Nach einer
Nervenverletzung
kann es zu einer Kau
salgie, besser als kom
p lexes reg
ionales
Schmerzsyn
drom
Ty
p II (C
RPS
Ty
p II) bezeichnet, kommen.
Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch qualvolle, glühend-
brennende
Schmerzen der betroffenen
Gliedmaßen,
auslösbar oder verstärkt schon durch leiseste Berüh
rung (Allodynie)((evtl.
auch entfernter Körperstellen (Synästhesalg
ie)),
durch optische oder akustische Reize, Trockenheit (Xerosalg
ie),
Wärme, Affekte oder bloße Schmerzvorstellung (Sympsychalg
ie).
Meist bestehen ferner Störungen der Durchblu
tung u. der Hauttrophik
(= Ernährungs-/ Wachstumszustand der Haut).
Die Schmerzausbreitung ist unabhängig vom Innervationsgebiet
(= Versorgungsgebiet eines
Ner
ven) (erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige
Gliedmaße (Alloparalg
ie).
Als Schmerzmittel der ersten Wahl ist auch beim CRPS Ty p II Gabapentin oder Pregabalin zu empfehlen.
Zur Schmerztherapie einer der Kausalgie (komplexes regionales Schmerzsyndrom Typ II) sind wiederholte Blockaden (= Betäubungen) des betroffenen Nervs mit einem lang wirkenden Betäubungsmittel hilfreich, optimal sind kontinuierliche Blockaden mit Katheter*.
Eine Ausführliche Darstellung dieser Schmerzkrankheit finden Sie hier: www.schmerzklinik.com/kausalgie (einfach anklicken).
Wenn Schmerzen aufgrund eines CRPS längerfristig bestehen, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, hilfreich ist auch ein Schmerzbewältigungstraining.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Ner ven mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben bzw. bei einem CRPS i.d.R. durch diese Maßnahme überhaupt erst möglich werden, gleiches gilt für die Ergotherapie. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung und damit Optimierung des lokalen (= örtlichen) Stoffwechsels resultiert (Sympathikolyse) (besonders wichtig sowohl beim komp lexen regiona len Schmerzsynd rom Ty p I als auch bei CRPS Ty p II). Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.
Die beschriebenen, invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen aber eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Nervenblockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.
Dialysepflichtig? Kein Problem, ganz in unserer Nähe befindet sich für unsere Patienten ein kompetentes Dialyse-Zentrum: www.nephroteam.de
Laut den Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1.4.2007 alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Quelle: Web-Seite der Bundesregierung und Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen.
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aktualisiert: >02.09.2008</> kusb& http://www.crps.de/nervenschmerzen
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